Aus einer Idee ...

wurden handfeste Geschäftsbereiche

2012 haben wir das Gelände der alten „Wächtersbacher Keramik“ gekauft. Seit der Übernahme verfolgen wir mehrere Ziele, um ein ganzheitliches Konzept für das Gelände und die Region zu schaffen.

Ein großer Teil davon ist die Geschichte und die Produktion der „Keramik“ in kleinem Stil am Leben zu erhalten. Wir produzieren ausgewählte Kleinmengen von Geschirr- bis Zierkeramik. Wir erstellen Modelle und Formen für individuelle Sonderanfertigungen und personalisieren Keramik ganz nach den Wünschen unserer Kunden.

Ein weiterer Teil dieses Konzeptes ist die Unterstützung regionale Hersteller und Kleinunternehmer. Wir sind ein junges Team und haben mit dem BrachtWerk einen zentralen Verkaufspunkt für genau diese geschaffen. Damit wird auch Brachttal gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen.

Die Waechtersbach Keramik

Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen

Die Waechtersbacher Keramik im hessischen Brachttal-Schlierbach in der Nähe der namensgebenden Stadt Wächtersbach wurde 1832 gegründet.
Zwischen dem Ende des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte sie, sowohl was den Umfang der Produktion als auch deren gestalterische Qualität angeht, zu den bedeutendsten deutschen Herstellern von Waren aus Steingut.
Produzierte die Waechtersbacher Keramik in den Anfangsjahren von 1832 bis etwa 1845 hauptsächlich einfaches, weißes Gebrauchsgeschirr, so wurden in den 1850ern mit den ersten Kupfer-Umdruckverfahren aufwendigere Arbeiten ausgeführt. Die Kapazität und Qualität der Arbeiten steigerte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als die Fabrik unter der Leitung von Max Roesler im Historismus ihren ersten Höhepunkt erreichte. Äußerst qualitätvolle und technisch aufwendige Arbeiten belegen den hohen Standard in der Fabrikation, der von vielen Konkurrenten kopiert wurde. War die Waechtersbacher Keramik bis dato nur lokal vertreten, belieferte sie nun das gesamte Deutsche Reich.
Max Roesler verließ die Fabrik im Streit, weil ihm eine Beteiligung seitens des Fürsten verwehrt wurde und gründete die Max Roesler Feinsteingutfabrik in Rodach.
Am 1. April 1901 wurde Christian Neureuther die Gründung des Keramischen Ateliers Wächtersbach mit Zustimmung der Fabrikleitung der Wächtersbacher Steingutfabrik gestattet. Erst 1903 gelang es auf Betreiben des Direktors Dr. Ehrlich bei Ferdinand Maximilian zu Ysenburg und Büdingen in Wächtersbach innerhalb der Wächtersbacher Steingutfabrik eine selbstständige Kunstkeramische Abteilung unter Christian Neureuther anzugliedern.
Ab dem Jahr 1900 beteiligte sich die Wächtersbacher Steingutfabrik mit Neureuther an den Ausführungen einiger keramischer Entwürfe, die von Joseph Maria Olbrich und Hans Christiansen herrührten und für die erste Darmstädter Ausstellung – Ein Dokument Deutscher Kunst – bestimmt waren. Die Fabrik erhielt hierfür die Plakette Darmstadt 1901. Für die zweite Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie im Jahre 1904 wurden mehrere Vasen nach Entwürfen von Paul Haustein umgesetzt. In etwa ab 1906 kam es zur Zusammenarbeit mit Albin Müller, dem damals neuen Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie. Ebenso entwarfen der Spätromantiker Johann Georg Mohr und Joseph Kaspar Correggio für die Wächtersbacher Steingutfabrik.
Durch den enormen Erfolg und die wegweisenden Entwürfe konnte das Unternehmen Konkurrenten wie Villeroy&Boch weit hinter sich lassen. Nach dem Tode Neureuthers 1921 wurde die Kunstabteilung von Eduard Schweitzer übernommen, jedoch bereits 1929 wieder geschlossen. Trotzdem konnte man in den 1930er Jahren mit Ursula Fesca eine weitere renommierte Entwerferin verpflichten. Fesca setzte sehr früh Bauhaus-Ideen um und entwarf Serien, die dem allgemeinen Zeitgeschmack so weit voraus waren, dass sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg produziert wurden. Wegen Krankheit verließ Fesca von 1939 bis 1945 die Fabrik. Dadurch und wegen rigider Produktionsbeschränkungen setzte ein Niedergang ein, was Kapazität, Qualität und Innovation betrifft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Produktion mit Frau Fesca wieder aufgenommen werden und Waechtersbach entwickelte sich zum größten Keramikhersteller Deutschlands. Seit den 1960er-Jahren exportiert das Unternehmen seine Erzeugnisse auch nach Amerika. Waechtersbach Keramik hat in den letzten Jahren das Interesse von Kunstsammlern gefunden und ist zu einem Gegenstand des Antiquitätenhandels geworden.
Am 21. Januar 2005 wurde die Fabrik nach 173 Jahren in Familienbesitz an die BEFI GmbH in Wain bei Laupheim verkauft.
Am 28. Juni 2006 teilten Geschäftsführer Klaus-D. Michels und Rechtsanwalt Göran Berger mit, dass die im Insolvenzverfahren stehende Gesellschaft die Produktion im Juli 2006 ruhen lassen und die Mitarbeiter zum 1. Juli 2006 für einen Monat freistellen will. Mitte September 2006 wurde die Produktion in Schlierbach nach fast drei Monaten Unterbrechung wieder angefahren. Die Waechtersbacher Keramik wurde von Turpin Rosenthal, einem ehemaligen Ikea-Manager, im September 2006 übernommen, in mehrere Einzelfirmen aufgeteilt und als Tochterunternehmen der Könitz Porzellan GmbH geführt. Eine dieser Einzelfirmen war die Keramische Fertigungsstätte Brachttal GmbH.
Im September 2011 meldete sie Insolvenz an. Das Werk in Brachttal-Schlierbach wurde in diesem Zusammenhang geschlossen. 2013 eröffnete Turpin Rosenthal mit verbliebenen Mitarbeitern am Standort Schlierbach eine Schauproduktion.
2019 wurde Seiten Turpin Rosenthal die Schauproduktion in Brachttal ebenfalls geschlossen.
Bereits in 2012 wurde das Gelände an einen Neuen Besitzer EZE GmbH & Co.Kg übergeben.
Das Gelände soll historisch erhalten bleiben und die Geschichte der Keramik soll weiterleben. Daher haben wir es uns zum Ziel gesetzt, eine kleine Fertigung der Keramik am Standort Brachttal wieder aufzubauen.
Mit dem Kauf des Geländes haben wir alte Formen, Glasuren und Maschinen übernommen und möchten diese nutzen, um die Geschichte weiterleben zu lassen.